31 März 2015

Neo Magazin Royale

#varoufake und andere Kleinigkeiten - irgendwie wird dieser griechischen Nervensäge damit viel zu viel Ehre zuteil



Es handelt sich beim Titel um eine Fernsehshow, die kürzlich durch einen Mediencoup einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde, nämlich dadurch, dass sie behaupteten, eine ... ohgottohgott, wie formuliert man das verständlich?

Also: Ein kurzes Video im Rahmen einer sogenannten "politischen Diskussions­sendung" ¹ zeigte den amtierenden Finanzminister des EU-Landes Griechenland, wie er einen Stinkefinger zeigt und es wurde behauptet, er meine ausdrücklich und generell Deutschland und die Deutschen². In der Tat war der Ausschnitt total aus dem Zusammenhang gerissen und der Film lange vor der Erringung des Amtes als Finanzminister entstanden. Ein ziemliches No-Go im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen, welches unter anderem der neutralen Information verpflichtet ist.

Der betroffene überrumpelte griechische Finanzminister Varoufakis nun wiederum behauptete daraufhin unbedacht, es handele sich bei dem Video um eine Fälschung. Das wäre ebenfalls ein ziemliches No-Go im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen, welches sich selbst der irgendwiegearteten Information verpflichtet sieht. Fälschung - welch böse-böse Unterstellung!

Das Video nämlich war zwar ein spekulativ gewählter Ausschnitt, aber immerhin keine Fälschung. Die Jauch-Leute hatten es wohl kurz vorher im satirischen Varoufakis-Video des Neomagazins gesehen und 1:1 übernommen, ohne Fragen zu stellen, allerdings nicht ohne es mit einem eigenen Kommentar zu versehen. Dementsprechend behauptete die kleine gebührenfinanzierte Satireshow, das Neo Magazin Royale, sie hätte es selbst gefälscht und der großen politischen "Diskussionssendung" geschickt untergejubelt. Satireshow! Etliche Medienschaffende fielen darauf herein und bemerkten nicht, dass das Hauptanliegen einer Satireshow wohl Satire ist.

Damit wurde der Bildungsnotstand in Deutschland wieder einmal wunderbar illustriert³: Medienschaffende sind hier in der Regel Menschen mit Abitur und abgeschlossenem Studium. Sie beschäftigen sich täglich und hauptberuflich mit Information. Etliche stellen dabei nicht die Frage nach der Herkunft einer Information, sondern erkennen Ironie und Satire nicht einmal dann, wenn es ausdrücklich drauf steht. Sie beeinflussen mit ihrer Arbeit aber die Einstellung von Millionen von Menschen.

Der "Beweis", den das NeoMagazin Royale vorlegte, war aber zumindest eine erhellende Arbeit darüber, wie leicht so eine Fälschung tatsächlich anzufertigen wäre. Demonstriert wurde es witzigerweise am Gegenteil - sie hatten vorher in den bewussten Filmausschnitt eine normale Hand hineinmontiert und zeigten nun sehr anschaulich, wie der Stinkefinger hineinkommen könnte.

So weit, so lustig. Erwähnt wird das hier deshalb, weil die bewusste Show inzwischen zuverlässig jede Woche im Gewand des Klamauks und der Satire eine unterhaltsame und dabei tiefgründige Betrachtung zu politischen oder gesellschaftlichen Fragen auf die Beine stellt. Gemeint sind dreiminütige Filmchen wie der folgende:


Photoshop-Philipp! (ersetzt durch den Ausschnitt aus der Show)

Jeder, der einmal mit Photoshop gearbeitet hat und zuweilen aufmerksam Zeitung liest, fällt ob der konzentrierten Wahrheit, die in diesem Film steckt, vom Stuhl.





¹ "Wer glaubt, Günther Jauch sei ein politischer Journalist, 
der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten!" (Volksmund)

² zum Vergleich: Hier der gesamte relevante Teil des Vortrags (Stinkefingerteil ab 1:41min., Filmlänge 5:59min). Dafür muss man natürlich ein wenig Englisch können und aufmerksam zuhören wollen, Jauchs Leute konnten sich ja darauf verlassen, dass das ohnehin bei den wenigsten Deutschen der Fall ist ...

... und hier das, was deshalb bei Günther Jauch daraus geworden ist: Einspieler ab 24:00min

³ volle zwei Wochen später titelt die BILD-Zeitung immer noch mit dieser Provokation, die rein juristisch wohl keine Fälschung ist - lustig, dass man das bei einer Sendung im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen inzwischen ausdrücklich betonen muss:

Und da nun wieder ist es entlarvend, wie geschmeidig sich Günther Jauch lieber in den Dienst der BILD-Zeitung stellt, nur um nicht zugeben zu müssen, dass seine Leute Scheiße gebaut haben.
All diese Erkenntnisse verdanken wir dem NEO MAGAZIN ROYALE (welchem ich aber die Natascha-Kampusch-Witze immer noch nicht verzeihe!)

28 März 2015

Bienchen

Das hier ist ein bisschen albern - und ziemlich cool:



Und außerdem Werbung, aber für einen guten Zweck.

27 März 2015

Klugheit (extended Mix)

Und wie auf Bestellung kommt die Bestätigung: Gestern lagen sie noch vorne, es handelt sich um das Dongfeng-Team mit dem orange markierten Boot. Zur Abwechslung haben sie als einzige versucht, etwas besonders-besonders Kluges zu machen - und schon ist es vorbei mit dem Vorsprung.


Wobei, bei diesem Rennen können sich die Boote in der Regel nicht gegenseitig sehen, oder nur sehr aus der Ferne. Wenn sie - wie in diesem Beispiel - dicht an dicht segeln, sind immer noch einige Seemeilen dazwischen, so dass man jedenfalls nicht gleich erkennt, was der Gegner so treibt.

Außergewöhnlich an der hier abgebildeten Situation ist übrigens, dass sie sich tausende Kilometer von jeder Küste entfernt abspielt, die dünne blaue Linie markiert die südliche Treibeisgrenze, die bei diesem Rennen nicht überschritten werden darf. Als Überblick noch eine weitere Karte:

26 März 2015

Klugheit

Einführung für den Laien: Beim Segeln ist der gerade Weg in der Regel nicht der schnellste, je weiter man vom direkten Weg abweicht, desto schneller wird das Boot sogar. Aber dann fährt man halt nicht mehr den kürzesten Weg.


Wo wir schon einmal beim Segeln sind, hier noch eine verbreitete Erscheinung. Man trifft sie auch im übrigen Leben an – nur das Beispiel aus dem Segeln zeigt die Situation besonders anschaulich:


Auf der Abbildung sieht man oben vier Boote, die einen Umweg gemacht haben und unten ein Boot, das einfach geradeaus gefahren ist und jetzt vorne liegt. Am Anfang dieser Sequenz waren sie vorletzte.

Es handelt sich um eine typische Situation, wenn man unter Spannung steht, aber auch den eigenen Fähigkeiten zu sehr vertraut. Man verstrickt sich in den eigenen taktischen Überlegungen.

Die Überlegung geht etwa so: Wenn man sich absetzen will, muss man irgendetwas anders machen als die Konkurrenz. Logisch. Außerdem hält man sich selbst für den überlegenen Auskenner. Was die anderen versuchen, erscheint trivial: “Das sieht so einfach aus – das kann nur falsch sein!”

Ist es nicht.

Hier haben vier Boote versucht, einen Umweg zu fahren, aber dabei schneller zu sein. Sie haben wohl auf diesem Kurs mehr oder Wind aus einer günstigeren Richtung erwartet. Das orange Boot unten drohte den Anschluss zu verlieren und lag vorher am Ende des Feldes. Auch sie hätten auf die Idee kommen können, etwas *besonders-besonders* kluges zu machen, um nicht noch mehr abgehängt zu werden. Stattdessen haben sie das naheliegendste getan und sind geradeaus gefahren.

Letztlich ist der Vorteil auf dem nördlichen Kurs nicht eingetreten und man sieht, dass die Gruppe der anderen wieder zurück kommt auf den alten Kurs.

So ist das ja immer wieder einmal.

Im richtigen Leben versucht man oft, sich mit taktischen Überlegungen einen Vorteil zu verschaffen. Die taktische Überlegung besteht dabei aus der Kombination mehrerer Maßnahmen, von denen schon bei jeder einzelnen der Erfolg fragwürdig ist. Die Kombination führt dazu, dass ein großer Erfolg eintreten kann, aber die Berechnung unbeherrschbar kompliziert wird.

Unbeherrschbare Komplexität wiederum geht in der Regel schief und führt nur in seltenen Ausnahmefällen zum Erfolg. Hinterher ist man schlauer. Dann tröstet man sich damit, dass man es mit allen Mitteln versucht hat – aber muss die Schuld immer bei sich selbst suchen.

Hat man das naheliegendste getan und dieses nicht zum Erfolg geführt, kann man gut “Die Verhältnisse”, Mutter Natur oder ein missgünstiges Schicksal dafür verantwortlich machen. Dabei führt das naheliegendste jedoch signifikant häufiger tatsächlich zum Erfolg, oder mindestens an einem gründlichen Misserfolg vorbei. Und wenn nicht hat man immerhin ein gutes Gewissen.


Die Szene stammt vom Volvo-Ocean-Race 2014/15, bei dem in 9 langen Etappen um die ganze Welt gesegelt wird.

Wer's nicht glaubt, hier noch der Spielstand ca. 8 Std. vorher:

25 März 2015

Wundermittel

Die Saison beginnt - hier geht es endlich wieder einmal ums Segeln, konkret: GPS-Tracking


Wie die meisten Menschen glaubt auch der Segler an Wundermittel. Das wird hier besonders erwähnt, weil Segelei eine höchst naturwissenschaftliche Angelegenheit ist. Das einzig unverständliche ist der Wind. Man weiß zwar genau, woher er kommt, wohin er unter bestimmten Umständen weht und wie das Boot in jedem Einzelfall zu behandeln ist. Es gibt für beinahe alles Rechenwerte. Aber in der Praxis kommt es meist ganz anders.

Inzwischen werden Boote in identischen Formen hergestellt oder wenigstens auf der Grundlage einer Computerform. Die Segel werden auf der Grundlage einer Computerzeichnung mit winzigen Fertigungstoleranzen hergestellt. Ebenso Masten und Zubehör. Das Material ist also durchaus vergleichbar (wenn man in einer Klasse segelt, wo Vergleichbarkeit gewünscht wird, das sind längst nicht alle). Dennoch gibt es in Rennen immer wieder große Unterschiede und der Segler fragt sich, woher diese wohl stammen.

Früher dachte man, dass es an der Einstellung des Bootes läge. Damit begann der Siegeszug der Trimmtabelle: Wenn man gleiche Boote unterschiedlich einstellt, sollten sie unterschiedlich schnell sein. Wenn man sie alle "richtig" einstellt, sollten sie alle optimal schnell sein.

Es wurden "optimale" Einstellungen für alle unterschiedlichen Bedingungen ermittelt und diese werden heutzutage in Form einer Trimmtabelle weitergegeben. Wenn man sie genau befolgt hat, bemerken einige überrascht: Es funktioniert dennoch nicht. "Dabei haben wir doch alles richtig gemacht!"

An dieser Stelle kommt der menschliche Faktor ins Spiel. Wenn man gleiches Material optimal einstellt, aber unterschiedlich behandelt, ergeben sich unterschiedliche Geschwindigkeiten, der Gedanke ist naheliegend. Derzeit ist der Segler auf der Suche nach dem menschlichen Faktor und hier kommen Tracking-Systeme ins Spiel.

Tracking bedeutet, dass man die Position des Bootes im Sekundenabstand feststellt und kartiert. Besonders hohen Erkenntniswert hat es, wenn auch alle anderen Boote getrackt werden und außerdem der Wind in Stärke und Richtung bekannt ist.

Nun kann man vergleichen, welches Boot den kürzesten Weg genommen hat, welches am schnellsten war und sehen, was besser ist.

Theoretisch.

Praktisch nicht.

Rein praktisch sollte der Quotient aus gesegelter Strecke und durchschnittlicher Geschwindigkeit eine Zeit ergeben, und wer am wenigsten Zeit gebraucht hat kommt als erster ins Ziel.

Ist aber nicht so.

Die entsprechenden Werte bekommt man inzwischen in Echtzeit auf den Bildschirm, auch wenn man selbst in Mitteleuropa sitzt und sich das Rennen auf der Südhalbkugel ereignet:



Die Tabelle links zeigt angeblich gesegelte die Strecke und Durch­schnitts­ge­schwindig­keit nach dem Zieldurchgang.

Der Große Bloguator™ hat sich einmal die Mühe gemacht, den entsprechenden Quotienten auszurechnen und siehe: Direkt nach dem ersten Boot kommt das vierte ins Ziel. Dann das zweite und das dritte. Danach das sechste und dann schon das fünfte. Den siebten trifft es besonders arg, er kommt erst nach dem zwölften und dreizehnten ins Ziel.

Jedenfalls dann, wenn man solchen Wundermitteln wie dem Tracker kritiklos Glauben schenkt.

Zeichenerklärung:
dist ist die zurückgelegte Strecke laut Tracking, kts die vom Tracker angegebene durchschnittliche Geschwindigkeit in Knoten (das sind nautische Meilen je Stunde) und t ist die errechnete Zeit aus Entfernung und Geschwindigkeit, rank ist die Reihenfolge in der die Ziellinie überquert wurde. Die Tabelle ist jedoch nach errechneter Zeit sortiert.


rank
dist (m)
kts (nm/h)
t (min.)
1
11567
7,34
51,0546
4
11874
7,48
51,4287
2
12608
7,87
51,9017
3
11572
7,21
51,9976
6
11528
7,13
52,3811
5
11970
7,40
52,4050
9
11671
7,19
52,5883
13
12042
7,36
53,0067
12
11969
7,25
53,4848
7
11349
6,87
53,5194
11
11872
7,16
53,7182
14
11544
6,96
53,7350
8
11002
6,61
53,9238
10
11336
6,81
53,9291
18
11977
7,08
54,8056
19
10943
6,45
54,9651
15
11500
6,77
55,0325
20
11085
6,52
55,0806
16
11538
6,77
55,2144
21
11729
6,88
55,2310
17
11141
6,49
55,6147
24
10776
6,26
55,7691
22
10881
6,32
55,7779
23
11275
6,52
56,0247
25
11161
6,40
56,4980
26
11034
6,27
57,0132
27
11208
6,25
58,0976

In der realen Wirklichkeit war es aber auch bei diesem Rennen ohne Vergütung zwischen identischen Booten so, dass nach dem ersten der zweite ins Ziel kam, dann der dritte und dann erst der vierte.

Woran das liegt, darüber kann man nun grübeln, es ergibt sich nur die Erkenntnis, dass ein gesundes Maß an Zweifel durchaus angebracht ist.

Die Daten stammen vom führenden Anbieter solcher Daten, SAP Sailing Analytics, hier die 505-Weltmeisterschaft 2015.








sorry, bei den Minuten ist das hinter dem Komma eine Dezimalzahl und keine richtige Sekunde - DAS umzurechnen war mir wiederum zu aufwändig

22 März 2015

Wechselkurs

Das Internet steckt ja voller Überraschungen. Kürzlich suchte der Große Bloguator™ nach dem Umtauschkurs einer konkreten Summe von GB-Pfund in Euro. Im Internet der Gegenwart geht das so: In der Suchmaske von Google gibt man

"£10415 in €" ein.

Als erstes Ergebnis erhält man eine fünstellige Zahl. Inzwischen weiß der kritische Medienbenutzer allerdings, dass man dem ersten Ergebnis nicht trauen soll, weil es standardmäßig von Google manipuliert ist.

Die wirklich echten wahren Ergebnisse tauchen erst auf der zehnten oder zwanzigsten Seite auf. Also klickte der Große Blougator™ auf das zweite Ergebnis, offenbar eine Ortsangabe,

Hochoest 10415 in Wittibreut - Deutschland

schon deshalb, weil die Postleitzahl 10415 einen Stadtteil von Berlin markiert - Hochoest aber sicher nicht. Man erhält dann folgende Information, welche ein weiteres mal unkommentiert stehen bleiben kann:

Hochoest 10415

843 84 Wittibreut

Zusammen mit 500 andere immobilien auf Hochoest 10415 in Wittibreut ist Hochoest 10415. Manchmal haben wir Zugriff auf erweiterten Information über die Heimat, wie Betriebskostendriftkostnader, Gebühren, Postleitzahl, und Erzeugerpreis bisherigen Verkaufs. Diese Information ist oder war das Publikum bei der vorherigen Verkauf des Hauses, jedoch können solche Informationen veraltet oder falsch sein, so sehen es mehr als ein Hauch. Der Wert wird auf vergangenen Ausgangspreis und dem Verkaufspreisförsäljningspris im Bereich basiert.

Nun ja, genau deshalb erscheint dieser Blogeintrag, Wörter wie Betriebs­kosten­drift­kostnader oder Verkaufs­preis­försäljningspris jagen dem Großen Bloguator™ nunmal wohlige Schauer über den Rücken.



... hm?
Ach ja: £10.415,- wäre der Preis für eine komplett ausgestattete International Moth¹ a.k.a. Kleines Flugzeug.





¹ Rocket von Aardvark aus England. Gibt aber noch andere.

21 März 2015

Haie im Weltraum!

Das hier ist hübsch:

19 März 2015

Revolution und Markenkleidung

Protest gegen eine unbedeutende kleine Zentralbank - zu Ehren von Blockupy


Bereits Lenin wusste: "Eine Revolution ohne Blutvergießen taugt nichts!" Dass es wahrscheinlich bei dem Blutvergießen bleibt, auch wenn die Revolution erfolgreich beendet ist, weiß man ebenfalls. Seit Lenin, beispielsweise.

Die sogenannte "Macht" hat nun einmal das Bestreben, mit aller Gewalt an der Macht zu bleiben. Sei es, weil sie ihre eigene Regierungsform für die beste überhaupt denkbare hält, sei es, weil die vorhandene Struktur den Teilhabern der Macht erhebliche materielle Vorteile beschert. Und das eine schließt das andere nicht aus. Das ist menschlich: So etwas gibt man nicht gerne wieder her, insbesondere dann, wenn die Dreckarbeit andere machen müssen.

Wenn eine Revolution ausnahmsweise einmal unblutig abgeht, dann stimmt etwas nicht: Die alten Mächtigen sind entweder selbst nicht mehr von ihrem System überzeugt. Oder sie erwarten, in dem neuen System mehrheitlich ebenso viele Vorteile zu haben wie im alten. Es gibt natürlich Ausnahmen und Einzelfälle, aber man kann kein neues Staatsgebilde ganz ohne die Fachleute des alten aufbauen.

In Deutschland haben wir ein gespaltenes Verhältnis zu Revolutionen, weil alle diese Mechanismen weithin bekannt sind, sowie wegen des deutschen Temperaments. Der Deutsche meint, dass eine Revolution vorher festgelegten Regeln zu folgen habe und dass Vorfahrt immer noch Vorfahrt bleiben muss. Damit wirklich niemand benachteiligt wird, muss es von diesen Regeln jedoch noch Ausnahmen für Minderheiten und besondere Anlässe geben, welche ebenfalls vorher festzulegen sind.

Insbesondere schätzt der Mensch keine Veränderungen, das betrifft nicht einmal nur die Deutschen. Veränderung und Unbekanntes beunruhigt den Menschen. Daher die Sache mit den Regeln. Der Deutsche ist andererseits auch großzügig, er meint, gegen Revolutionen sei im Grunde gar nichts einzuwenden, sofern sie unblutig verlaufen und sich im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegen.

Nun wurde gestern wieder einmal gegen ein Herrschaftssystem demonstriert. Die Umstände waren sonderbar, aber dabei eigentlich so wie immer. Das Herrschaftssystem ist nämlich nominell gar keines, sondern es handelt sich um nur eine Bank, so wird es genannt. Aber nur wer das Geld verwaltet lenkt wirklich die Geschicke.

Bei den Protesten floss auch kein richtiges Blut, stattdessen wurden einige Autos angezündet. In Deutschland ist das Auto ein Heiligtum und ein brennendes Fahrzeug ist ein viel schlimmeres Fanal als wenn einige abgeschlagene Köpfe von Bankmanagern über den Vorplatz gerollt wären: "Die armen Autos haben doch niemandem etwas getan!" Mit Bankmangern hätten die Leute aus gegebenem Anlass deutlich weniger Mitleid.

Den Protestniks wird außerdem vorgehalten, ausgerechnet sie selbst trügen ja Markenkleidung, ausgerechnet im Kampf gegen ein Ausbeutersystem. Ausgerechnet! Inzwischen spricht sich herum, dass gerade die Marken auf ihren guten Ruf achten und deshalb bei der Ausnutzung von Kinderarbeit nicht erwischt werden wollen. Den No-Name-Herstellern erscheinen solche Überlegungen abwegig - schließlich sind sie ja an ihrem Namen ohnehin nicht wiederzuerkennen. Bei No-Name-Herstellern ist die Chance, dass für deren Kleidung Frauen und Kinder in Sweat-Shops bluten müssen also viel größer. Deshalb ist gediegene Markenkleidung bei der Tätigkeit des Protest gegen das Establishment auf jeden Fall das kleinere Übel.

Wie stellt sich der Deutsche nun Protest vor? (von Revolution ganz zu schweigen, obwohl die meisten Bürger Einwände gegen die herrschenden Zustände haben)

Gewaltfrei auf jeden Fall, das bedeutet: Vor allem ohne Gewalt gegen Sachen. Zur ordentlich angemeldeten Demonstration erscheint der namentlich bekannte Demonstrant pünktlich am festgelegten und behördlich freigegebenen Ort und bringt seine Unzufriedenheit mit dem aus seiner Sicht undemokratischen System zum Ausdruck. Er trägt dabei sein gut leserliches Schild und selbst genähte Protestkleidung aus nachhaltig erzeugten und fair gehandelten Stoffen in gedeckten Farben, welche den einzelnen einfach kenntlich machen und andererseits das Auge des Aufsichtspersonals nicht beleidigen.

Habe ich etwas vergessen?

Gut. Jetzt, wo wir wissen, wie Protest und Revolution in Deutschland durchzuführen sind, können wir endlich energisch gegen alle Missstände vorgehen!

12 März 2015

Hoi! ...zwoi...

Beim Durchforsten des Blogs fiel auf, dass der Link zu diesem wunderbaren Film nicht mehr funktionierte weil das Youtube-Konto aufgelöst worden war.
Der Musikfilm mit Jazz aus den 1940er Jahren mit einer Animation aus den 1990ern ist aber dermaßen wertvoll, dass es hier unter allen Umständen weiterempfohlen werden muss: Shizuko Kasagi - Kaimono Boogie


Na? Noch Fragen?!?

Unreinste Reime

Ich schätze die Musik, muss es aber dennoch tun. Muss ... muss! Muss einfach!!!

Bei Youtube findet sich unter dem Stück Flammende Herzen des berühmten Elektronikmusikers Michael Rother folgender Text:

Official Website: http://www.michaelrother.de/en/
Flammende Herzen kann nichts trennen,

da sie immer füreinander brennen.

Noch nicht mal Ozeane könnten sie abkühlen,

du kanst es selber bei dir spüren.

Flammende Herzen sind hoch oben übern Regenbogen

und ist es Nacht siehst du sie toben.

Mit Sternschnuppen geben sie sich Zeichen,

um sich jederzeit zu erreichen.

Sie tanzen eng umschlungen im Mondlicht

und machen ein glückliches Gesicht.

Und willst du das alles nicht glauben,

brauchst du nur nach oben zu schauen.

 

Tja. Das gehört ins Reimlexikon, finde ich.

 

 

 


nicht ganz zufällig wird das hier unter der Rubrik "Reim dich, sonst...!" abgelegt, die sonst eigentlich für eigene zweifelhafte Erzeugnisse des Großen Bloguators™ gedacht ist.

06 März 2015

Unterhaltung

Das folgende bedarf keiner weiteren Kommentierung durch den Großen Bloguator™ – es satirt sich völlig selbst:

Sehr geehrter Kunde PayPal,

On March 02 2015 Wir haben vor kurzem festgestellt, dass verschiedene Computer in Ihrem PayPal-Konto angemeldet.

Und mehrere Kennwortmisserfolge vor dem Logo der Gegenwart. Wir brauchen Sie jetzt erneut bestätigen Sie Ihre Account-Informationen an uns.

Wenn dies nicht von 08, 03, 2015 fertig gestellt, werden wir gezwungen, Ihr Konto auf unbestimmte Zeit auszusetzen.

Fall-ID Nummer PP-00-633-9177

Um Ihr Konto zu wiederherzustellen, Bitte laden Sie das beigefügte Formular aus, um Ihre Profilinformationen zu überprüfen und Wiederherstellung Ihrer Kontozugriff.

Achten Sie darauf, die Informationen genau zu geben, und nach den Formate erforderlich. Füllen Sie alle Felder aus.

Es ist in der Regel recht einfach, sich um Dinge wie diese zu nehmen. Die Mehrzahl der Zeit, wir müssen nur ein wenig mehr Informationen über Ihr Konto oder neuesten Transaktionen.

Um uns dabei zu helfen, und sehen, was Sie können und was nicht mit Ihrem Konto zu tun, bis das Problem behoben ist, melden Sie sich in Ihrem Konto und gehen Sie zu der Konfliktlösungen.
Mit freundlichen Grüßen,

PayPal

Nicht wahr?

 


Selbstverständlich hat der Absender PayPal die Mailadresse skyid@skymail.sky.com und nicht irgendeine unsichere Herkunft von PayPal.com oder so.

02 März 2015

Zwischenbericht

Außer von der Arbeit gibt es hier derzeit nicht so viel zu berichten: Schreibtisch - Bett - Schreibtisch - Bett - Schreibtisch - Bett und dazwischen höchstens mal Baustelle oder Bier. Das kann auch ganz schön sein, wenn es den ausreichend vergütet wird.

Trotzdem kommt ein wenig Abwechslung natürlich immer recht. Wo der Große Bloguator™ sich dann fragt, welche Drogen man nehmen muss, um solche Videos wie dieses hier auszubrüten?

 

 

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