25 Juli 2014

Steinzeit

Rein technisch haben wir inzwischen Telefon, Internet, Fernsehen. Der Buchdruck und die Zeitung wurden vor Jahrhunderten erfunden. Aber geistig gesehen stecken etliche Deutsche immer noch in der Steinzeit.

Die Geschichte handelt in einer Ortschaft namens Rottweil². Die gibt es tatsächlich¹. Hier läuft jemand ein paar mal mit einem Fantasie-Mönchskostüm herum - und die Leute drehen durch: "Kampfmönch", "Assassine".

Der Herausgeber des Lokalblattes schreibt sogar einen offenen Brief: "Es mag also sein, dass Sie aus Ihrer Sicht gar nichts angestellt haben und nichts Böses im Sinn hatten. Dann fehlt nur noch ein - zugegeben: heldenhafter - Schritt. Stellen Sie sich der Polizei."

Sollte nicht wenigstens der Herausgeber einer Zeitung seine Heimatstadt einmal im Leben verlassen haben? Sollte so einer nicht wenigstens einmal im Leben sogar bis ins 90km entfernte Stuttgart gereist sein? Wo kauft der das Papier für seine Zeitung ein - mit dem Handkorb auf dem Wochenmarkt? Hier bei uns in der Zivilisation hat manch ein Herausgeber sogar ... studiert.

Den Rest der Geschichte entnimmt man den Berichten im Spiegel.

Aha, wir sind schon wieder da: Wenn man im falschen Outfit herumläuft, muss man sich der Polizei stellen, weil sonst die Rottweiler (nennen die sich wirklich so?) "verängstigt" sind.

Mein Gott, was macht man in Rottweil, wenn dort der erste Chinese auftaucht? Oder womöglich ein Schwarzer? Gelten für die überhaupt unsere Gesetze?

 

 

 


¹ naja, vermutlich auch nicht tatsächlicher als Bielefeld

² wobei schon der Auftritt ihrer Webseite für jemanden aus der Zivilisation gruselig ist. Alle Bilder haben einen schlimmen Touch von Zombie-Film, vielleicht "Die lebenden Toten von Rottweil"

22 Juli 2014

Goldener Boden

Hier im Hof arbeiten die nervigsten Handwerker der Stadt. Sie verrichten ihre Arbeit nicht am Stück. Sondern!

Sondern: Aus irgendeinem Grund erledigen sie ihre Arbeit in nahezu unmessbar kleinen Abschnitten und koordinieren die Arbeitsabschnitte mit meinem Fenster. Im Sommer öffnet man gern das Fenster. Mache ich das Fenster auf - uuuiiiieeeee - wirft einer die Kreissäge an und sägt kreis. Mache ich das Fenster wieder zu schaltet er sie wieder aus. Fenster auf - Kreissäge wieder an. Fenster zu - Kreissäge wieder aus.

… noch zwei Runden und ich schiebe den Typen durch seine eigene Kreissäge! Die Streifen frittiere ich dann in Kettenöl und zwinge seine Kinder und seinen Fußballverein, sie zu essen!

Letzte Woche war einer mit einem Laubbläser da … Laubbläser! Im Sommer! Er laubblies immer so Abschnitte von zwei bis vier Quadratmeter. Kaum war mein Fenster zu machte er seinen dengelnden Zweitakt-Laubbläser aus und verschwand. Wahrscheinlich musste er seinen Chef nach Lob fragen, für die zwei bis vier unheimlich ordentlich laubgeblasenen Quadratmeter. Fenster auf - Laubbläser an, wieder zwei Quadratmeter. Fenster zu - Laubbläser aus, Cheflob einholen.

Zum Glück musste ich weg. Ich hätte zu gerne den Arbeiter  … nein: Den CHEF, der naive Arbeiter mit einem Laubbläser ausstattet und bei 32°Celsius in die Höfe von Wohnhäusern schickt !!! mit seinem Laubbläser bis auf das doppelte Volumen aufgeblasen und seine Ohren dabei direkt am Auspuff von dem Zweitaktmotor festgetackert!

Vorletzte Woche fuhr einer mit einem Rasenmäher herum. Der Rasenmäher war selbstverständlich nicht das kleine mechanische Modell mit Muskelkraftantrieb, das sich dreht, wenn man es vorwärts schiebt. Nein, der Mähmann kam mit einem Teil zum drauf Sitzen, mit automatischem Grasfangkorb und drei Rück­wärts­gängen.

Die Rasenfläche in unserem Hof misst gute 21Quadratmeter. Eine Nagelschere wäre für diese Größe genau das richtige Werkzeug. Aber Aufsitzmäher - ohne Schalldämpfer.

Der beauftragte Rasenmäherpilot konnte die 21Quadratmeter natürlich auch nicht am Stück abarbeiten, sondern bewältigte die Fläche in vier oder fünf Abschnitten, zwischen denen er den Motor immer wieder abstellte, er fuhr auch mehrmals aus dem Hof raus. Eine Finte? Nur so konnte er anscheinend echte Qualitätsarbeit abliefern…





… aaaaargh, der Kreissäger wieder! Ich geh jetzt raus und greife mir den Typen! Wünscht ihm Glück! Ich werde bis zu den Knien in seinen Eingeweiden waten!






wir sind übrigens vor einem halben Jahr umgezogen. Es ist nicht - ich betone: NICHT - derselbe Hof wie in diesem Bericht. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich die Typen anziehe

18 Juli 2014

Preisträgerin

So macht man das:

Herta Müller, Literaturnobelpreis 2009.

Bei Twitter seit 2009.

In Fünf Jahren genau einen Tweet.

...

hm?

... ich glaube, ich sollte mich auch mehr konzentrieren.


nunja, im Nachhinein der Gedanke: "Vielleicht hat sie auch nur das Passwort vergessen. So weit bin ich auch schon!"

Adriano

... sorry, bin eben im weltweiten Netz darüber gestolpert ... ich muss es einfach tun! ... hauptsächlich, weil der Celentano halt eine coole Sau ist. Hier:

Und zum Weiterhören- und sehen noch dieses Musikvideo, sehr aufwändig produziert, mit charmantem Fernsehballett und schwer stilisierten Kulissen aus Plexiglas: Azzurro - welches im Original übrigens von Paolo Conte stammt

14 Juli 2014

Wahrnehmungsschwäche

Ein Wochenende vor dem Finale der Fußball-WM, private Veranstaltung, man sitzt unter Zelten, ein Barde mit Gitarre ist anwesend. Das Viertelfinale beginnt soeben.

Der Barde bringt etwa 150kg auf die Waage und zwar nicht "nur Muskeln", sondern Schwabbel von oben bis unten, mit besonders viel Schwerpunkt. Er singt eine witzheischende Fußballhymne zum Mitgröhlen mit dem Titel "Wenns um Fußball geht hass ich Holland wie die Pest!" ¹

Ich wiederhole: 150kg Schwabbel, am Stück! Wenn der einen Fußball auch nur aufmerksam ansieht kriegt er schon Atemnot. Aber "Wenns um Fußball geht hass ich Holland wie die Pest!".

Verallgemein- und Schlussfolgerung: So viel zur Wahrnehmung der Deutschen, wenn es um Fußball geht.





¹ der Künstler im Video, Götz Widmann, wirkt fast genauso schwabbelig wie der oben bechriebene Barde. Interessant!

Sprachregelung

Ich möchte da gerne etwas korrigieren, den Ausdruck "Deutschland ist Weltmeister".

Richtiger müsste es heißen "Eine deutsche Mannschaft hat bei der Fußball-WM das Endspiel gewonnen - und was habt ihr Schreihälse dazu beigetragen?"

13 Juli 2014

Aktuelle Gegenwart

Sonntagabend, kurz vor dem WM-Finale. Die U-Bahn ist bevölkert von betrunkenen aufgeregten Leuten, für die ein Ausflug in den Nachbarbezirk bereits ein Abenteuer ist.

Autofahrer wollen "vernünftig sein", weil heute abend "bestimmt etwas getrunken wird".

Einig Volk von Hysterikern.

11 Juli 2014

Dialog

"Hast du dich etwa in mich verliebt?"

"Spinnst du? Hast du dich mal angesehen? Dir zugehört? Deine sturzblöden..."

"Also ja."

"Ja..."

Dialog stammt leider nicht vom Großen Bloguator™, sondern von der Analogbotschaft, hier. Und deshalb wird hier Werbung dafür gemacht. Ja.

09 Juli 2014

Beatbox

Der Große Bloguator™ war wieder einmal bei der Beatbox, die Google "Übersetzer" nennt.

Wie üblich bei Google Softwareherstellern versteht das Programm längst nicht alles, aber es übersetzt trotzdem. Wer genau hinsieht: Der Übersetzer meint, dass statt dem kz ein zk stehen sollte und möchte diesen Fehler gerne korrigieren... erkennt aber nicht, dass es sich insgesamt um einen ganz sinnfreien Text handelt und übersetzt ihn anstandslos aus einer von 81 Sprachen in eine andere (Stand 2014).

Im übrigen wird als Sprache des Textes Tschechisch erkannt. Tschechisch!

Man kann sich nun die liebevoll angefertigte Übersetzung vorlesen lassen - und dafür eignet sich eine konsonantenlastige Sprache wie Tschechisch tatsäschlisch am besten. Leset nun und hört selbst:


Slowakisch ist aber auch lustig.

Wer nun ein wenig mit eigenen Begriffen herumexperimentieren will, benutzt beispielsweise folgende:

Sie werden mühelos als zweifelsfrei Norwegisch identifiziert, und nach Meinung von Google kennt auch das Tchechische solche Wörter:


Die Fähigkeiten der Tschechen und des Tschechischen sind wirklich nicht hoch genug einzuschätzen!

 



und um es auf die Spitze zu treiben, die schönen englischen Wörter "gr gr" sind dem Übersetzer ins Tschechische wirklich überhaupt keine Herausforderung!

08 Juli 2014

Hilfe mein Sohn!

Es sollte ein neuer Versuch in Googlepoesie werden - aber dann war ich erschüttert, was Google dem Sohn alles zutraut:


05 Juli 2014

Conversation

Nordneukölln, Samstagabend, Bank im U-Bahnhof, zwei Mädels unterhalten sich...
"...und ich so: Whoaa, was geht denn hier ab!"
... standardisiertester Standardsatz einer Unterhaltung unter Mittzwanzigerinnen.

04 Juli 2014

Realität und Wirklichkeit

der Große Bloguator™ unterwegs


SCHKOPAU! Heimat der Plaste und Elaste! Es gibt diesen Ort wirklich! ... oder jedenfalls einen Bahnsteig, der so heißt...

Und weiter gehts, von Merse- nach Naumburg. Vorbei an leeren Wiesen mit chemischem Equipment drin. An der Station steht Leuna Werke Nord.

Hübsche Wassertürme haben sie hier. Auch in Grosskorbetha (Kleinkorbetha mag man sich gar nicht ausmalen).

Dann wieder eine Weile Landschaft.

Das Flüsschen muss wohl die Saale sein? Da ist ja selbst die Spree noch größer. Weißenfels, das liegt doch an der Saale, oder? Es gibt eine Burgenlandbahn..

In Österreich ist das Burgenland das, was für die Deutschen Ostfriesland ist, nur so am Rande bemerkt. Die Landschaft in diesem Burgenland ist dabei genausoschön wie in jenem. Doch, wirklich!

Da kommt Naum. Weit und breit keine Burg zu sehen. Dafür eine Kirche. Nur, das klingt eben nicht so gut:Naumkirche.

Zum Abschluss noch eine Fahrt mit der Burgenlandbahn. Sehr putzig, ein Waggon mit genau einer Tür auf eingleisiger Strecke. Wurde anscheinend erst kürzlich von Handkurbeln auf Motorantrieb umgestellt. Der Fahrer begrüßt seine Fahrgäste mit Handschlag.

Die Landschaft wird noch malerischer. Der erste Weinberg kommt in Sicht. Hier bin ich richtig.

Nebra/Unstrut. Ich meine UN-strut!

Der Große Bloguator™ beschließt gerade noch für sich "Es ist besser, wenn ich nicht weiter drüber nachdenke" - da wird Kirchscheidungen ausgerufen. Ohmeingott!






¹ panische Frage eines jeden Besuchers, der vor der Wende aus Richtung Süden über die Autobahn nach West-Berlin gekommen war: "WAS IST DENN PLASTE UND ELASTE?!?"

Sie hatten auf der Elbebrücke diese Botschaft gesehen:


Foto ausgeliehen bei Atmosphaeren

01 Juli 2014

Guerilla-Radeling

Letzten Freitag war Der Große Bloguator™ beim Guerilla-Radeling: Eine Gruppe von mehr als 15 Radfahrern darf einen geschlossenen Verband bilden, und dieser ist wie ein einzelndes Fahrzeug zu behandeln. So steht es in der Straßenverkehrsordnung, §27.

Die Veranstaltung verlief unter der Bezeichnung Critical Mass, über die zu erreichenden Ziele und zulässigen Maßnahmen waren die Teilnehmer durchaus unterschiedlicher Ansicht¹, aber dieser Veranstalter Organisator Aufrufer interpretierte die Sache so, dass ein Verband aus mehreren Radfahrern im Straßenverkehr *GENAU* *ALLES* darf.

(bzw. Wikipedia über die Critical Mass)

Also fuhren unwesentlich mehr als 15 Radfahrer - so zwischen ca. 1.000 und 2.000 - an einem lauen Freitagabend ziellos durch die Stadt und legten der Verkehr lahm².

Hier ein kleines Filmdokument, das am Ende der ersten Verschnaufpause an der Ecke Danziger/Greifswalder Straße beim Wiederanfahren aufgenommen wurde. Es dauert über 8min., bis alle Teilnehmer vorbei sind:


(und wenn man ganz genau hinsieht: Bei sec. 0:26 ist ganz unscheinbar Der Große Bloguator™ zu erkennen)





¹ vgl. den Blogeintrag der Radspannerei und die anschließende Diskussion
² ganz so anarchisch war es gar nicht: Die Sache wurde von reichlich Polizei begleitet, die die Radfahrer für schnellere blechgeschützte Verkehrsteilnehmer sichtbar machte und den Verkehr für die Critical Mass lahmlegte. Anscheinend also eine irgendwie angemeldete Sache, bei der die Polizei vermutlich aus rein verkehrserzieherischen Gründen gerne mitmacht

30 Juni 2014

Gerechtigkeit

Die Bekannte sagt zu ihrem Sohn die verfänglichen Worte:

"Da liegt noch ein Stück Kuchen - das sollst du gerecht teilen!

Wir denken an Obelix und fragen den Sohn:

"Und? Was findest du gerecht? Ist es gerecht, wenn jeder bekommt, was er braucht? Oder wenn jeder bekommt, was er will? Oder wenn alle Stücke gleich groß sind?"

Der Sohn antwortet nicht und isst den Kuchen alleine.

29 Juni 2014

Heimat

Hm, sieht irgendwie gar nicht so sehr danach aus, oder?


(zum besseren Verständnis Bild groß machen)

28 Juni 2014

Camping

Kürzlich am See:
"Whoaaa, das ist ja ein Riesenzelt! Zu wievielt wohnt ihr da drin?"

"Zelt für drei Personen - oder einen Messie."

"Und du bist nicht 'drei Personen', oder?"

"Aber beinahe. Es gibt je eine Stelle für saubere Kleidung, schmutzige Kleidung, Segelkleidung und den Schlafsack. Und schon ist das Zelt voll. Aber ich kann da drin stehen. Na?"

"Tja."

27 Juni 2014

Unterschied

Ein wesentliches Problem beim Dasein als Freiberufler ist ja, dass man sich nur traut, die Zeit in Rechnung zu stellen, bei der auch was rausgekommen ist.

Wohingegen angestellte Chefs - 16-Stunden-Tag! - gerne mal jede wache Minute, einschließlich Frühstück, als Arbeitszeit ausgeben. Sie nennen das "vertraglich vereinbarte Mehrarbeit".

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