22 April 2014

Moderne Zeiten

Das Wirtschaftswunder ist vorbei, Mitgefühl und Verantwortung waren gestern, die soziale Schere öffnet sich weiter.

Merkt Euch das: Gewerkschaften in Deutschland sind keine Welt­­verbesserungs­­organi­­sationen oder Sozialvereine für ein menschenwürdiges Leben! Man soll sie eher mit seriösen Lobbygruppen vergleichen, die die Interessen ihrer Beitragszahler genauso professionell vertreten wie die Lobbyisten von GAZPROM, Heckler & Koch oder VW.

Die einen Arbeitnehmer können vom Mindestlohn nur träumen und wissen bis dahin nicht, wovon sie Essen UND Miete bezahlen sollen. Die anderen können mit ihrer vielen Freizeit schon gar nichts mehr anfangen und haben weiter nichts als Passiv-Fußball im Kopf.

SPIEGEL-Meldung von heute

 
 

Erinnert mich schwer an die penetrante Klientelpolitik zum Ladenschluss damals. Wer es nicht mehr weiß: Die Kunden des Einzelhandels sollten zum Einkaufen von Lebensmitteln doch einfach einen Tag Urlaub nehmen, weil Mama an der Kasse genau dieselben Arbeitszeiten hätte haben sollen wie jeder Büroangestellte auch, werktags zwischen 8.oo und 18.ooh, und "am Wochenende gehört Mama mir!"

Alternativvorschlag an die Arbeitgeber: Ihr schmeißt das stumpfe Pack raus und gebt die Arbeit denen, die sie wirklich machen wollen. Die sind wahrscheinlich noch nicht einmal in der Gewerkschaft.

21 April 2014

Invasion

Meine Güte, wir haben noch vor Anfang Mai und ich treffe bereits die zweite Wespe in der Wohnung!

Dabei sind die Biester so groß, dass sie noch nicht einmal in die Kannenpflanze passen.




...hm, vielleicht pürieren ...? 

Im Zweifelsfall sollte ich mich nach diesem hier umsehen - dann sind sie immerhin schon mal geröstet ...

20 April 2014

Selbstbild

... oder ~bewusstsein.

Psychiater im Interview:

"Neulich hatte ich den Messias in Behandlung. Ja, sicher, ich habe ihn geheilt."

(wg. einem Artikel neulich im Spiegel über das Jerusalrm-Syndrom)

Jerusalem - nicht Jesusalarm!

... obwohl ...

16 April 2014

Schweigen.

Zur Zeit läuft hier Radiowerbung wo einer sich vorstellt als Matthias Schweighöfer.

Darüber wollen wir jetzt ein wenig meditieren: "Werbung" ← → "Schweighöfer".

Keine Ehre macht der seinem Namen. Keine Ehre.

 

 

 


ahne ich doch bereits den Kommentar von irgendeinem meiner gehässigen Freunde: "Gerade DU hast es nötig!"

14 April 2014

Beweis

Donald Duck - Der güldene Wasserfall
George Catlin - American Indian Portraits
Manfred Curry - Regatta-Segeln, von 1936
Wolf Wondratschek - Die große Beleidigung 
... was man halt immer so liest, wenn man Großer Bloguator™ ist.






über die übrigen auf der Abbildung mit viel Neugier erkennbaren Details wollen wir den diskreten Mantel des Schweigens decken

08 April 2014

Streetart

Aus irgendeinem Grund gibt es auf der Schöneberger Insel seit kürzerem eine verwaiste Werbetafel. Bis vor kurzem beleidigte dort noch herkömmliche Allerweltswerbung Augen und Verstand, aber die ist weg.

Vielleicht hat der Sturm von neulich die Werbebotschaft heruntergeschält, vielleicht hat der Verwalter gewechselt - man weiß es nicht. Jedenfalls steht sie lange genug leer, dass sich die Streetartisten herausgefordert fühlten und ihrer bemächtigt haben.

Jetzt klebt dort, schön ordentlich im orthogonalen Raster sortiert, Kunst von der subtilen Schöneberger Sorte:





Schönes Schöneberg!

07 April 2014

Saison

Frühjahr, bald ist es wieder soweit: Balkon aufs lieblichste bepflanzt - restliche Wohnung sieht aus wie Nuklearangriff auf ein Zementsilo.

06 April 2014

Möglichkeitsform Humor

Unbedacht fallengelassener Nebensatz am Biertisch im Seglerheim: "... . Hätte, Wäre, Könnte - die wichtigsten Indikative unter Seglern."

Da brüllt die anwesende Deutschlehrerin atemlos: "Das sind Konjunktive!"

"Unter Seglern nicht. Da sind Hätte, Wäre und Könnte Tatsachen..."

Frauen und Humor.

"... unter Fußballern auch, was ich so höre."

04 April 2014

Wuuu-huuu!

Das hier ist so ziemlich das durchgedrehteste an Webseite, das mir in den letzten Jahren begegnet ist:
Ritsch + Renn
(Achtung! Da läuft gleich Musik los und es gibt auch keinen Knopf zum Abschalten - "not safe for work")

Gleichzeitig sind die Brüder aber anscheinend seriös genug, eine große Anzahl ernsthafter zahlender Kundschaft zu finden. Wuuu-huuu - ich bin hingerissen!

03 April 2014

Tag

Im Sprachgebrauch des Großen Bloguators gibt es den "Tag des abgefahrenen Zuges". Das ist, wenn der Benutzer, egal wo er hinkommt, immer die Rücklichter des Waggons sieht, der soeben den Bahnhof verlässt. Einmal am Tag ist okay, mehrmals ist furchtbar. Insbesondere dann, wenn man es eilig hat - so wie der Große Bloguator eigentlich immer.

Aber es gibt immerhin auch den "Tag der aufgehenden Tunnelsonne", seltener, kommt aber vor. Das ist, wenn man es eilig hat und zu einem öffentlichen Verkehrsmittel eilt und dieses just beim Erreichen der Haltestelle ebenfalls dort einfährt, aber nicht nur einmal, sondern den ganzen Tag lang. Dass einem gerade so etwas widerfährt, ist viel seltener - kommt aber vor: Heute.

01 April 2014

Fremdschämen 2

Ergänzend zum vorletzten Eintrag: Da gab es in der U-Bahn früher dieses grünlich-blasse, sehr verhärmte, sehr, sehr dünne Männchen, von dem man nicht sagen konnte, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt (Mann).

Es begann seinen Quengelmonolog immer in schepperndem Ton mit "... etwas Auuufmerksamkeit für meinen Lebensmuu-uu-uut, ein paar Cent oder etwas zu essen, aber bitte ohne Zucker..." 

Die besonders sparsamen Spender, die statt Geld zu geben lieber  ihre Essensreste clever entsorgen wollten, erlebten eine herbe Enttäuschung: Sie waren in die bereitgestellte Falle getappt. "Ohne Zucker" war nämlich so definiert, dass in buchstäblich jedem Lebensmittel irgendwie ein wenig Zucker enthalten ist. Auch in frischem Obst oder einem Butterbrot. Das Männchen hatte demnach Anspruch auf Bargeld und klagte diesen auch ein, voll der Empörung, mit der bekannten Kreissägenstimme und der Lautstärke einer Polizeisirene.

Ich habe ihn lange nicht mehr gesehen. Kann aber nicht sagen, dass ich ihn vermisse.

30 März 2014

Emo Blindschleiche

Super Idee, das: Die Haftaugen rausnehmen mit denselben Fingern, mit denen man eben die Chillischoten auseinander gepult hat. Super Idee. Aua aua auaaa!

29 März 2014

Fremdschämen de luxe

Eben in der U-Bahn einer der täglichen Schnorrer. Erst stellen sie sich meist vor und erklären mit unüberhörbarer Kreissägenstimme,  warum: "Guten Tag, mein Name ist Jürgen und leider bin ich gezwungen...". Schon da brüllt einer dazwischen "Zu schnell! Du redest zu schnell!" Jeder weiß: Die Schnorrer allein sind schon die Pest und es kann gar nicht schnell genug gehen. Aber hier will einer originell sein und hat zudem Mitteilungsbedürfnis.

Dabei konnte der junge Mann sein Anliegen noch gar nicht vortragen. Das kommt in der klassischen Dramaturgie der U-Bahn-Schnorrer erst im nächsten Satz "... kleine Spende oder bisschen was zu essen..." Der Zwischenrufer rät lautstark "Iss doch in der Bahnhofsmission".

Ohne die Unterbechung hätte der Schnorrer seine Ansprache korrekterweise fortsetzen müssen mit "...für einen Obdachlosen, der leider auf der Straße lebt". Als erfahrener Berliner U-Bahn-Benutzer kann man diesen Monolog normalerweise mitsprechen und notfalls selbst ergänzen, falls nicht alles akustisch einwandfrei zu verstehen war.

Aber der Schnorrer war ja unterbrochen worden und lässt sich provozieren "Den Fraß in der Bahnhofsmission ess ich nicht! Das kann man doch nicht essen! Ich ess jeden Tag Döner oder bei Mäck Donalds! Hast du das mal gegessen? Den Fraß in der Bahnhofsmission ess ich nicht!" und dann setzt er mit der erwarteten Pointe fort mit "...ich bin obdachlos und lebe leider auf der Straße."

Daraufhin grunzt ein weiterer Fahrgast "... aber bei Macdonalds essen!" und damit ist die Sammlung komplett. Die Sammlung von Originalberliner U-Bahn-Nervbacken.

Der erste Schreihals quakt los "Es gibt nur Wohnungslose! In Deutschland gibt es keinen einzigen Obdachlosen!" und der Schnorrer besteht darauf "...für einen Obdachlosen, der leider auf der Straße lebt." Der zweite Nörgler wieder lautstark "Du isst bei Mäckdonalds!" und der Schnorrer tappt entschuldigend durch den Wagon und versucht doch noch, ein paar Cent abzugreifen. So klappt das natürlich nicht.

Irgendwann kommt endlich der ersehnte Halt und der Schnorrer steigt aus, weil er den nächsten Wagen abkassieren muss. Nur die beiden anderen Schwätzer bleiben da und tauschen sich quer durch den ganzen Waggon über ihre Empörung aus: "...keinen einzigen Obdachlosen!" und dann wieder "Der isst bei Mäckdonalds!" und so geht es weiter bis zum Verlassen der Bahn.

Die zwei Idioten haben sich anscheinend geschworen, die Fahrt für jeden unvorsichtigen Passanten zum Härtetest zu machen. Als wären die zahllosen Schnorrer und Behelfsmusikanten nicht so schon nervig genug. Die Zeit bis zum Aussteigen vergeht quälend langsam.

Wo bleibt denn heute eigentlich die nächste Balkankapelle/Akkordeonkind/Folksänger zutreffendesbitteankreuzen mehrfachnennungenmöglich diskussionensehrwillkommen?

27 März 2014

Minderer Superlativ

Hier heischt jemand um Aufmerksamkeit ¹:

 
Zur Erläuterung: Es geht darum, dass aus Gründen des Eindruckschindens gerne Superlative konstruiert werden, wo leider keine sind. Das wird hier ausführlich erklärt: Superlativ

Dass ein nachhaltiges Leben wünschenswert wäre, steht außer Frage. Einer der Aspekte der Ressourcenverschwendung ist hoher CO2-Ausstoß, welcher in einen nachvollziehbaren Zusammenhang mit Klimaerwärmung gebracht wird.

Aber das ist nur einer der Aspekte. Als Folgeerscheinung der Klimaerwärmung erlangte die Scheinwissenschaft der Wettervorhersage breiteres Ansehen, und ihre Protagonisten sind meist Meteorologen (abgesehen von Kachelmann, der ist ja keiner).

Am letzten Wochenende beispielsweise traf von den vortags verkündigten 3 - 6 Windstärken am Samstag eine Windstärke ein und am Sonntag keine. Vorhersagezeitraum 1 Tag - Treffergenauigkeit knapp über 0%. 
 
Und auch die Klimaerwärmung trödelt, sie weigert sich, den Prognosen der Apokalypse zu folgen und will sich nicht an den wissenschaftlich bewiesenen Zeitplan halten. Aber die Meteorologen wünschen sich so sehr, beachtet zu werden.






¹ dazu hier die ausführliche Meldung. Die WMO hat die erwähnte Analyse des Großen Bloguators™ zur Konstruktion von Superlativen anscheinend als Gebrauchsanweisung verstanden und danach eine Pressemeldung gezimmert

² verwendete Bausteine: "eines der wärmsten",  "seit Beginn der Aufzeichnungen", "sechstwärmste" (!), "Jahr ... wärmer als ... Periode"

24 März 2014

Paragraph

Das hier ist kein Scherz und habe ich mir nicht - ich betone: ICH NICHT! - ausgedacht. Sondern jemand anderer:

Auf Grund des § 1 Absatz 2, des § 2 Absatz 2 und 3, des § 3 Absatz 2, des § 4, jeweils in Verbindung mit § 5, des § 5a Satz 1 und 2, des § 7 Absatz 1a, Absatz 3 Satz 1 bis 3 und Absatz 4, des § 7a Absatz 1 sowie des § 7b Absatz 1 und 2 des Energieeinsparungsgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 1. September 2005 (BGBl. I S. 2684), von denen § 3 Absatz 2 durch Artikel 1 Nummer 2 des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197), § 4 zuletzt durch Artikel 1 Nummer 2b des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197), § 5a Satz 1 und 2 durch Artikel 1 Nummer 3 Buchstabe a und b des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197) und § 7 Absatz 3 und 4 zuletzt durch Artikel 1 Nummer 4 Buchstabe c und d des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197) geändert worden sind und § 7 Absatz 1a durch Artikel 1 Nummer 4 Buchstabe a des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197) , § 7a Absatz 1 durch Artikel 1 Nummer 4 des Gesetzes vom 28. März 2009 (BGBl. I S. 643) und § 7b Absatz 1 und 2 durch Artikel 1 Nummer 6 des Gesetzes vom 4. Juli 2013 (BGBl. I S. 2197) eingefügt worden sind, verordnet die Bundesregierung:

Alles klar?

Es handelt sich hier um ein Zitat der ersten Seite der EnEV 2014 - am 21. Nov. 2013 verkündete Novelle der Energieeinsparverordnung.

*) Diese Verordnung dient der Umsetzung der Richtlinie 2010/31/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Mai 2010 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (Neufassung) (ABl. L 153 vom 18.6.2010, S. 13, ABl. L 155 vom 22.6.2010, S. 61). Die Bezugnahmen in der Energie­einspar­verordnung vom 24. Juli 2007 (BGBl. I S. 1519) und in der Verordnung zur Änderung der Energieeinsparverordnung vom 29. April 2009 (BGBl. I S. 954) auf die Richtlinie 2002/91/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2002 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden gelten als Bezugnahmen auf die in dem vorhergehenden Satz genannte Richtlinie 2010/31/EU. Die Verpflichtungen aus der Richtlinie 98/34/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Juni 1998 über ein Informationsverfahren auf dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften und der Vorschriften für die Dienste der Informationsgesellschaft (ABl. L 204 vom 21.7.1998, S. 37), die zuletzt durch die Richtlinie 2006/96/EG (ABl. L 363 vom 20.12.2006, S. 81) geändert worden ist, sind beachtet worden.

Und so schreibt man, wenn man nicht verstanden werden will. Also: Nicht, wenn einem gleichgültig ist, ob man verstanden wird oder nicht. Sondern wenn man den ausdrücklichen Wunsch hat, nichtverstanden zu werden.

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